(NASA/ESA/Hubble Heritage Team/A. Nota, Westerlund 2 Science Team via AP)
Der Weltraum - unendliche Weiten. NASA/ESA/Hubble Heritage Team/A. Nota, Westerlund 2 Science Team via AP

Star Trek und die Reboots

Gerade frisch aus dem Kino zurück kann ich mir ein paar Gedanken zum neuen Star Trek Filmuniversum nicht verkneifen. So als kleiner Post zwischen dem letzten und dem nächsten eher wissenschaftlich angehauchten Artikeln. Hier gehts in den nächsten knapp 1000 Wörtern also um Star Trek und die aktuellen Reboots, und warum gerade jetzt ein Star Trek näher am Original wichtig wäre.

Meine persönliche Voreingenommenheit

Aus was für einer Richtung komme ich wenns um Star Trek geht? Eigentlich bin ich ja noch immer ein großer Fan der Next Generation, und zwar der Serie. Hier muss man tatsächlich gleich eine Untescheidung machen. Denn die Filme mit der Crew um Captain Picard (Patrick Stewart) hatten immer herzlich wenig mit den Charakteren aus der Serie zu tun. Ich möchte nicht die Serie verklären, es gab auch da mehr oder weniger gute Folgen. In den meisten war allerdings deutlich zu erkennen, dass zumindest die Ambition da war, sich nicht nur mit stumpfer Aktion allein zu begnügen.

Star Trek – The Next Generation (STTNG) stellte für mich immer die Frage wie die Menschheit über sich hinauswachsen kann und wie wir trotz widriger Umstände dennoch unsere Moral, Ethik und Menschlichkeit bewahren können. Im Endeffekt steckte sogar eine Philosophie dahinter an der sich das Handeln der Charaktere ausrichtete. Es gibt in der Sternenflotte Regeln, die bekanntest dürfte wohl die erste Direktive sein. Paraphrasiert: Man sollte sich doch bitte nicht in die Entwicklung von Zivilisationen einmischen, sondern diese soll möglichst unbeeinflusst verlaufen.

Regeln, Intention und Reflektion

Gleichzeitig sind diese Regeln aber nicht als unumstößliche Axiome zu sehen sondern als Richtschnur, immer im Hinterkopf behaltend was die Intention bei der Niederschreibung war. Das erfordert ein feinsinniges Abwägen. Was wenn man auf eine Zivilisation trifft die bereits anderweitig beeinflusst wurde? Ist stures raushalten die richtige Option? Und genau um solche Konflikte und das Bedenken der Konsequenzen der eigenen Handlungen, darum geht es in STTNG häufig. Es sind gerade diese Folgen die für mich zumeist hervorstechen. Konsequenzen bedenken und verantwortlich in einem Bereich handeln in dem viele einander entgegenlaufende Interessen aufeinandertreffen. Das erfordert ein hohes Maß an Reflektion und das ist eines der zentralen Dinge die ich an STTNG sehr zu schätzen weiß. Die Leute machen sich Gedanken, verfallen nicht dem Irrglauben, dass einfache Antworten die Richtigen sind. Verschiedene Charaktere treffen aufeinander und gemeinsam wird nach einer Lösung gesucht.

Wie man nach dieser langen Einleitung vielleicht schon absehen kann: In den neuen Filmen, aber zugegebenermaßen auch schon in den Next Generation Filmen, gibt es diesen Anspruch nicht. Was statt fand ist eine Nivellierung von dem was die Menschheit sein könnte wenn wir uns Mühe geben (STTNG Serie, aber auch die Original Serie) auf das was wir jetzt sind (STTNG Filme + Star Trek Reboot). Es geht so weit, dass ein in der Serie grundvernünftiger und überlegter Captain Picard in Star Trek Nemesis mit einem Offroadfahrzeug über eine Planetenoberfläche driftet. Nein das passt nicht zum Charakter. Man merkt jedenfalls – Star Trek ist für mich das, was The Next Generation für mich verkörpert. Daran müssen sich die anderen Spinn Offs messen.

Was ich an den Reboots mag

Interessanterweise gefällt mir vieles an den Reboots. Ich mag wie die Schauspieler sich die Charaktere zu eigen gemacht haben. Zachary Quinto ist Spock, von Gestik, Haltung bis in die Intonation und die Phrasierung perfekt herausgearbeitet. Karl Urban gibt Doktor McCoy auf ähnlichem Level. In manchen Momenten gilt das auch für Chris Pine (Cpt. Kirk). Simon Pegg hat seine eigene Interpretation von Scotty die ebenfalls funktioniert, selbiges gilt für den Rest der Brückencrew: Zoe Salanda als Lt. Uhura, John Cho als Sulu und Anton Yelchin als Chekov. Das wichtigste wenn es um die Charaktere geht ist, dass diese Zeit zum Entfalten und Interagieren bekommen. Das wussten die Drehbuchschreiber und mit jedem Teil der Reboots wurde auch das ausgefeilter bis es in Star Trek Beyond nun einen neuen Höhepunkt erreichte.

Die Spezialeffekte und das Bühnenbild sind großartig, so lebendig hat sich das Star Trek Universum noch selten angefühlt. Alles in allem eigentlich tolle Voraussetzungen! Wenn da nicht alles andere wäre…

Die wahre Fiktion in Star Trek

Vieles von dem was Star Trek ausmacht wird in den Reboots über Bord geworfen. Es gibt Regeln, die Crew sind nun Regelbrecher, und werden dadurch zu Sympathieträgern. Keine Rede von Reflektion, alles nur mehr Bauchentscheidungen. Die erste Antwort die man findet wird auch die beste sein. Konsequenzen sind, wenn überhaupt, maximal tertiär interessant (und müssen ohnehin von anderen ertragen werden). Zuerst wird gemacht und dann wird gefragt. Was aber vielleicht am schwersten wiegt ist ganz was anderes.

Die einzige verbleibende Fiktion in Star Trek ist nun die Technologie. Alles blinkt und leuchtet und die fantastischen Weiten des Weltraums werden atemberaubend in Szene gesetzt. Noch nie sahen die Gänge der Enterprise (mit welcher auch immer man vergleicht) so ästhetisch aus. Viel Oberflächenpolitur wurde betrieben. Und genau da liegt das Problem.

Star Trek war nie eine Serie um der es um technische Spielereien ging. Diese waren ein Teil davon, lieferten aber nur die Plattform, eine Bühne auf der sich die Handlung abspielen konnte. Worum es ging war ein utopisches / idealistisches Bild unserer Gesellschaft. Etwas erstrebenswertes in dem Menschen nicht von persönlicher Bereicherung angetrieben werden sondern davon, die Menschheit als ganzes ein Stück weiterzubringen. Auf welche Weise auch immer. Die Sternenflotte und ihre Offiziere sind dabei die höchste Verköperung dieses Ideals. Ganz ähnlich verhält es sich übrigens mit Game of Thrones – die Handlung wäre immer noch spannend wenn man sie in einem Science Fiction Szenario ansiedelt. Die Intrigen und Machtspiele, sowie die Charaktere sind das eigentlich Interessante.

In den Star Trek Reboots geht es aber nicht mehr darum ein idealistisches Modell der Gesellschaft auszuloten und herauszufinden, wie Menschen in diesem auf Herausforderungen von Innen und Außen reagieren. Die Star Trek Reboots zeigen uns keine soziale Weiterentwicklung mehr, sie zeigen uns eine technologische Zukunft bevölkert mit Menschen von heute. Das ist zwar auch unterhaltsam, aber inspiriert fühle ich mich dadurch nicht.

Unsere Technologie wird sich so oder so weiterentwickeln. Aber ob wir uns gesellschaftlich in eine positive Richtung bewegen, dass ist die weitaus spannendere Frage. Gerade in turbulenten Zeiten wie diesen ist dies auch die Wichtigere. Hier könnten wir Inspiration mehr denn je gebrauchen.

Ein Kommentar zu “Star Trek und die Reboots

  1. Ich sehe das ziemlich ähnlich.
    In den aktuell ach so schwierigen Zeiten, wird oftmals und von verschiedensten Seiten ein Rückzug auf nationalistische Werte gefordert, was jedenfalls eine gesellschaftliche Rückentwicklung darstellt.
    Daher sollte natürlich nicht nur aber dort ganz besonders in SiFi-Werken Wert darauf gelegt werden, eine Vision zu transportieren, wohin die Entwicklung der Menscheit gehen soll.

    Wir sollten uns allesamt die Frage stellen, wie user aller Zukunft aussehen soll.
    Damit meine ich nicht nur die Zukunft in 20, 50 oder 100 Jahren, sondern auch weit darüber hinaus.

    Für mich reicht ein einziges Adjektiv als Antwort: gemeinsam

    Nur wenn wir aufhören, Unterschiede herauszukehren und die für verschiedenste Streitigkeiten und Kriege genutzten Ressourcen für Positives verwenden, können wir als Menschheit überleben.
    (Klimawandel, Gefahren von außerhalb, …)

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