Klimakatastrophe bewältigen: Schutz oder Anpassung?

Ein begrünter Innenhof in Linz (C) Johannes Horak

Warum es beides braucht und was das auf lokaler und globaler Ebene bedeutet

Klimaschutz und Klimawandelanpassung: Von den beiden Begriffen ist einer bereits wohlbekannt, der andere wirkt etwas sperrig. Beide tauchen jedoch im Zusammenhang mit der menschengemachten Klimaveränderung immer wieder auf. Während „Klimaschutz“ bereits stark in der öffentlichen Wahrnehmung verankert ist, ist dies für die gleichermaßen wichtige Klimawandelanpassung nur eingeschränkt der Fall. Was bedeuten die beiden Begriffe eigentlich genau? Worin unterscheiden sie sich? Was können Städte zu Klimaschutz und Klimawandelanpassung beitragen?

Anstieg des CO2

Die Menschheit hat durch ihre Aktivitäten immer schon Treibhausgase in die Atmosphäre emittiert, zum Beispiel zum Beheizen und Kochen. Dieses CO2 war aber in dem Kohlenstoffkreislauf der Natur eingebunden, indem in den meisten Fällen Holz als Energieträger Verwendung fand, das zwar bei der Verbrennung CO2 emittierte, jedoch anschließend wieder in die nachwachsenden Wälder eingebunden wurde. Etwa seit dem Beginn der industriellen Revolution ist dieser Kreislauf entkoppelt worden, weil in immer stärkeren Ausmaß auf über Jahrmillionen entstandene Energieträger zurückgegriffen wurde, die nicht wieder in den Ort der Entnahme zurückgeführt werden konnten (Kohle, Öl, Gas).

Bei jeder Verbrennung von kohlenstoffhältigen Energieträgern entsteht Kohlendioxid (CO2) das bekannteste Treibhausgas. Eines ist klar: Wenn mehr CO2 entsteht als wieder fixiert werden kann (natürliche Senken kommen mit der Aufnahme dieser zusätzlich in den irdischen CO2-Kreislauf eingebrachte Menge nicht nach), muss der CO2-Gehalt in der Atmosphäre beständig ansteigen. Entgegen den vielen in den letzten Jahrzehnten geschlossenen Abkommen ist die Konzentration an Kohlendioxid in der Atmosphäre mit jedem Jahr weiter angestiegen.

Klimagipfel (Auswahl) und die Entwicklung der CO2-Konzentration, noch ist keine Trendwende sichtbar.

Das Fass füllt sich sozusagen und läuft über, denn physikalisch betrachtet verringert CO2 die Durchlässigkeit der Atmosphäre für Wärmestrahlung. Als Konsequenz kann sich die Erde schlechter abkühlen als zuvor, das Klima ändert sich hin zu höheren Temperaturen.

Es ist schon fast zu spät

Klimaschutz hat demnach das Ziel, die auf menschlichen Einfluss rückführbare Erwärmung aufzuhalten. In letzter Konsequenz bedeutet dies, keine Treibhausgase mehr auszustoßen. Je nachdem, wie viel Erhitzung man bereit ist in Kauf zu nehmen, desto drastischer müssen die Reduktionen ausfallen. Im Abkommen von Paris ist vereinbart, den Temperaturanstieg der Jahresmitteltemperaturen gegenüber dem „Standardklima“ der vorindustriellen Zeit unter 1,5 Grad zu halten. Für Österreich beziehungsweise Europa bedeutet dies –  gutmütig gerechnet – eine Halbierung des Treibhausgasausstoßes bis 2030. Städte sind dabei wichtige Akteure. In ihnen lebt ein Großteil der Menschheit und sie sind in Summe für einen nicht unerheblichen Teil des Treibhausgasausstoßes verantwortlich. Sie bilden quasi einen mächtigen Hebel, um für den Klimaschutz anzusetzen.

Allerdings wird Klimaschutz alleine nicht reichen, denn im Endeffekt haben wir ja schon den sprichwörtlichen Salat – wir befinden uns bereits mitten in der Klimaveränderung. Das System Erde hat eine gewisse Trägheit. Selbst wenn plötzlich auf wundersame Weise sämtliche Emissionen auf Null fielen, so würden für einige Zeit die Temperaturen weiter ansteigen, bevor eine Stabilisierung eintritt beziehungsweise wieder ein Rückgang beginnt. Kohlendioxid hat eine lange Verweilzeit in der Atmosphäre.

Anpassung auf lokaler Ebene

Daher ist es notwendig sich auf ein anderes, heißeres Klima einzustellen und die Folgen zu mindern beziehungsweise auch sich daraus ergebende Chancen zu nutzen. Das ist es, was unter Klimawandelanpassung üblicherweise verstanden wird. Für Städte bedeutet dies, neben einer Vielzahl anderer Dinge, zum Beispiel für Durchgrünung zu sorgen und womöglich Flächen zu entsiegeln. Bäumen kommt hierbei eine Schlüsselrolle zu. Sie spenden einerseits Schatten und wirken so direkt der Aufheizung von Oberflächen entgegen, andererseits verdunsten sie Wasser und kühlen über den Prozess der Evapotranspiration direkt die Luft um sie herum. Darin sind Laubbäume deutlich besser als Nadelbäume, auch erzielt ein älterer Baum mit großer Krone eine stärkere kühlende Wirkung.

Begrünter Innenhof in Linz.

Was hilft in der Stadt?

Aber auch andere Maßnahmen helfen die Folgen des Klimawandels in einer Stadt zu lindern. Luftleitbahnen sowie Kaltluftabflussbahnen sollten freigehalten werden um frischerer und kühlerer Luft die Durchdringung der Stadt zu ermöglichen. Hellere Oberflächen reflektieren mehr Sonnenstrahlung und heizen sich somit weniger auf als dunkle. Fassadenbegrünungen und Dachbegrünungen dienen zur Verschattung von Gebäudeoberflächen und können darin für angenehmere Temperaturen sorgen. Zusätzlich halten Dachbegrünungen bei Starkregen Wasser zurück und beugen damit einer Überlastung der Kanalisation vor. Die Entsiegelung von Oberflächen bietet ebenfalls zusätzliche Versickerungsmöglichkeiten und Platz für Stadtgrün. Aber auch technische Maßnahmen sind möglich: Wasserspiele zur Abkühlung während heißer Tage oder Hitzewellen, die flächendeckende Verfügbarkeit von Trinkbrunnen, Schatten spendende Sonnensegel oder Außenjalousien bei Gebäuden.

Eine technische Anpassungsmaßnahme: Außenjalousien.

Maßnahmen sollten jedoch nicht den Klimaschutz konterkarieren, also zu zusätzlichen Treibhausgasemissionen führen. Damit ist die Installation von Klimaanlagen als Antwort auf die Klimaerwärmung als kritisch zu sehen, da die Energie zum Betrieb der Klimaanlagen, abhängig vom verwendeten Energiemix, zu einem hohen Anteil von fossilen Energieträgern stammen kann. Zudem verursachen Klimaanlagen aufgrund der installierten Rückkühler auf Gebäudefassaden (bei kleineren Anlagen) oder auf Dächern (bei Großanlagen) eine Verschärfung der Überhitzungssituation außerhalb der Gebäude. Man verschiebt das Problem in den eigenen vier Wänden sozusagen zum Nachbarn.

Klimaschutz und Klimawandelanpassung bezeichnen also durchaus verschiedene Dinge, und die Unterscheidung ist wichtig. Klimaschutz muss auch lokal stattfinden, wirkt letztlich aber global und hat das Ziel die globale Änderung des Klimas aufzuhalten. Klimawandelanpassung geschieht vor Ort und sie wirkt in erster Linie auch ganz lokal – sie kann die Folgen der globalen Klimaänderung nicht aufhalten, versucht sie aber wenigstens zu lindern. Klimawandelanpassung ermöglicht es, unsere Städte trotz Klimaänderung lebenswert zu halten. Aber Achtung: Irgendwo gibt es dann eine Grenze, Anpassung ist nur in einem gewissen Ausmaß möglich, auch daher ist auch der Klimaschutz unerlässlich.

Johannes Horak
Johannes Horak
Johannes Horak hat sein Physikstudium an der Universität Wien mit Schwerpunkt Quantennanophysik abgeschlossen. Anschließend arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer Ernst-Mach-Institut auf dem Gebiet der Laser-Materie Wechselwirkung. Von Dezember 2015 bis Juni 2020 war er an der Universität Innsbruck tätig und beschäftigte sich mit der feineren Auflösung von globalen Klimamodellen in Gletscherregionen. Beginnend mit Juni 2020 arbeitet er für die Stadt Linz als Stadtklimatologe.

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